Training

Letztlich kommt auf den Charakter an

..aber jede Rasse hat ihre Besonderheit bei Beschäftigung und Erziehung

Der große Tag ist gekommen: Ein Welpe zieht ein, welch ein wunderbares Ereignis! Über die Rasse, die zu Ihnen passt, haben Sie sich natürlich viele Gedanken gemacht. Nun möchten Sie auch sonst alles gleich vom ersten Tag an richtig angehen in Sachen Erziehung – aber wie? Wichtig zu wissen ist, dass es keine Patentlösung nach „Schema F” gibt, sondern dass die Erziehung sich unter anderem auch nach einem bedeutenden Faktor richtet: Welcher „Gruppe” von Hunden die Rasse Ihres putzigen Knirpses angehört. Wir stellen Ihnen einige Gruppen vor:

Hund mit Jagdtrieb: Nase und Köpfchen auslasten

Der Begriff „Jagdhunde“ umfasst alle Hunderassen, die dem Menschen in irgendeiner Art bei der Jagd behilflich waren. Die einen stöberten das Wild auf, die anderen spürten angeschossenen Rehen und Wildschweinen nach und brachten den Jäger auf die richtige Spur, und wieder andere, dazu zählt zum Beispiel der Dackel, krochen in den Bau von Füchsen und Dachsen und gingen dort ihrem „Beruf” nach. Zu den Jagdhunden zählen die verschiedensten Rassen, vom Magyar Vizsla bis zum Großen Münsterländer. Wenn Sie Ihr Herz an eine Jagdhunderasse verschenkt haben, dann ist es wichtig, dass Sie von Anfang an bei der Erziehung dem angeborenen bzw. -gezüchteten Jagdtrieb Ihres Hundes Rechnung tragen. Das bedeutet: Sie müssen mit viel positiver Verstärkung, Übung und einer langen Schleppleine trainieren, damit sich der Hund jederzeit zuverlässig abrufen lässt – auch, wenn er Wild wittert. Gleichzeitig braucht er als Ersatzverhalten zur Jagd andere Beschäftigung: Fährten- und Zielobjektsuche, Apportierspiele bzw. Dummytraining lasten ihn aus.

Hunde mit Hütetrieb

Bewegung, aber auch Denkspiele bei Hütehunden, die auch heute noch gezüchtet werden, um Schaf-, Rinder- oder Ziegenherden zusammen zu halten, müssen Sie mit besonderer Sensibilität vorgehen. Arbeiten Sie gerade bei Border Collies und Australian Shepherds mit Lob und Belohnung und viel positiver Verstärkung, sie reagieren auf Druck oft sehr sensibel. Viele Hütehunderassen sind wahre Workaholics, brauchen viel Bewegung – aber letztendlich auslasten können Sie sie nur mit kleinen Denk- und Suchspielchen, Agility oder Treibballspielen.

Hunde zur Bewachung von Haus und Hof: konsequente Führung

Hierzu zählen alle Rassen, die dem Schutz der menschlichen Behausung dienen. Früher wurde häufig der Hovawart eingesetzt, aber auch Rottweiler oder Dobermann werden gerne verwendet. Auch Herdenschutzhunde, wie der Anatolische Hirtenhund oder der Kuvasz, passen sehr gut auf Haus, Hof und Bewohner auf. Beginnen Sie früh mit der Sozialisierung, damit der Hund nicht irgendwann Ihr Grundstück auch gegen willkommenen Besuch verteidigt. Seien Sie ein souveräner, ruhiger und konsequenter „Chef“ und bringen Sie Ihrem Wachhund bei ob und wann er beschützen soll oder wann er auch mal „frei” hat.

Rassen lassen sich nicht pauschalisieren

Jedoch sollten Sie vor allem eines nicht vergessen: Über einen Kamm scheren lassen sich auch die Vertreter der einzelnen Rassen nicht! Entscheidend ist letztendlich der Charakter Ihres Hundes oder auch Ihres Mischlings, der durchaus auch mehrere „Züge” der einzelnen Gruppen in sich vereinen kann. So kann sich zum Beispiel auch bei einem Vizsla, einem echten Jagdhund, der Jagdtrieb in Grenzen halten und nicht jeder Border Collie besitzt das Zeug zum Hüten. Lassen Sie bei der Erziehung die Charaktereigenschaften Ihres Hundes zur Geltung kommen und werden Sie diesen gerecht. Und noch ein Tipp zum Schluss: Eine gute, professionelle Hundeschule wird Sie dabei auf ganzer Linie unterstützen und auch weiter helfen, wenn einmal guter Rat teuer ist.