Grundlagen

Die zweite Pubertät

Wenn der Hund nochmal zum Halbstarken wird

Aus dem knuffigen Hundebaby ist ein schlaksiger Vierbeiner geworden, der wie ein zweibeiniger Teenager plötzlich alles in Frage stellt, was die Hundeeltern von ihm verlagen. "Hilfe, Pubertät!", möchte da so manches geplagte Herrchen oder Frauchen gerne verzweifelt ausrufen. Die erste Phase der Pubertät haben Sie ja schon hinter sich. Nun geht's in die zweite Runde: Die zweite Pubertät. Aber keine Sorge – auch diese Zeit geht vorüber. Und sie ist sehr wichtig für die Entwicklung Ihres Hundes, denn sie trägt dazu bei, dass der Vierbeiner erwachsen wird und seinen Platz in der Menschen- und Hundewelt findet.

Die erste Pubertät beginnt je nach Rasse zwischen sechs und zwölf Monaten und geht mit der Geschlechtsreife einher. Große Rassen kommen etwas später in die Flegelphase, Hündinnen sind etwas frühreifer als Rüden. Die Hündin wird nun zum ersten Mal läufig, der Rüde beginnt, seinen Lauf zu heben, um zu pinkeln, und findet weibliche Artgnossen auf einmal sehr prickelnd. Außerdem rivalisiert er nun zunehmend auch mit anderen Rüden. Viele Hundehalter merken den Beginn der Pubertät nicht nur an der Geschlechtsreife, sondern an der Tatsache, dass der gute Benimm des vormals braven Vierbeiners auf einmal wie weg geblasen scheint.

Ist diese Zeit glücklich überstanden, atmen die meisten Hundehalter erst einmal auf. Aber es gibt auch noch eine zweite Phase der Pubertät, und zwar zwischen 18 und 24 Monaten. In dieser Zeit reift der Hund seelisch aus, Erziehungsfehler werden nun besonders deutlich: Der Vierbeiner testet noch einmal seine Grenzen aus und ist bestrebt, seinen Platz in der Hunde-, aber auch in der Menschenwelt zu finden. Diese zweite Phase der Pubertät nennt man auch Angstphase. Viele Tiere sind nämlich nun so sensibel wie ein rohes Ei.  Manche entwickeln plötzliche Ängste und sind in dieser Zeit sehr geräuschempfindlich. Gleichzeitig treten viele Hunde in der zweiten Pubertät noch einmal richtig halbstark auf. Sie können plötzlich aggressiv auf Artgenossen reagieren und Rangordnungskämpfe austragen. Wichtig ist daher, dem Hund weiterhin mit liebevoller Konsequenz zu begegnen und ihm auch Grenzen aufzuzeigen. Nicht mit Härte, sondern mit Fingerspitzengefühl. Seien Sie sich sicher: Auch diese zweite Pubertät geht vorbei, so wie sie gekommen ist!