Grundlagen

Warum Hunde jagen

Behalten Sie die Kontrolle über den Jagdeifer

So nützlich der Jagdtrieb der Hunde beim Einsatz im Jagdrevier ist, so schwierig ist er im Alltag. Im Zusammenleben mit einem Familienhund kann der Jagdeifer große Probleme machen. Es gibt für Hundebesitzer kaum ein schlimmeres Gefühl, als zusehen zu müssen, wie ihr Vierbeiner unaufhaltbar hinter einem Hasen am Horizont verschwindet. Der Jagdtrieb ist mehr oder weniger bei jedem Hund vorhanden, lässt sich aber kontrollieren.

Warum jagen Hunde?

Fluchtbewegungen von Wild oder ein geworfener Ball, bei typischen „Nasenhunden“ auch die Spur von Wild, wirken genetisch verankert als Schlüsselreiz und der Hund setzt zur Verfolgung an. Das Gehirn des Hundes schüttet dann zahllose Botenstoffe aus und vermittelt dem Tier ein positives Gefühl. Bereits Junghunde, die Blätter jagen oder einen Vogel spielerisch aufscheuchen, lernen so, dass Jagen glücklich macht. Bald setzt der Hund nicht nur zufällig aufgescheuchtem Wild nach, er sucht geradezu nach Jagdgelegenheiten, um seinen Endorphin-Kick zu bekommen.

Welche Hunderassen jagen besondern gern?

Besonders betrifft das Hunderassen, die speziell für die Jagd gezüchtet worden sind. Während Retriever, die stark zur Kooperation mit ihrem Halter neigen, leichter erziehbar sind, sind Jagdhunde, die Ihre Beute allein verfolgen oder gar packen und töten sollen, erheblich unabhängiger. Das betrifft Windhunde ebenso wie Terrier und Dackel. Spezialisten für Nasenarbeit wie der Bloodhound und Meutehunde wie der Beagle vergessen die Umwelt, wenn Sie eine Fährte in die Nase bekommen. Auch Hütehunde wie der Border Collie zeigen oft einen starken Jagdeifer.

Den Jagdeifer akzeptieren

Den Jagdtrieb gänzlich zu unterdrücken, das funktioniert nicht. Es ist wichtig, das Gelände und den eigenen Hund lesen zu lernen. Wenn Sie die Anzeichen erkennen, können Sie Ihren Hund rechtzeitig zurückrufen. In wildreichem Gebiet bietet eine (Schlepp-)Leine Sicherheit und verhindert, dass der Vierbeiner durch Jagderfolg Selbstbestätigung erhält.

Gehorsam üben gegen Jagdverhalten

Ein guter Grundgehorsam erleichtert die Kontrolle. Bei kooperationsbereiten Hunden ist das Training einfacher. Sehr eigenständige Rassen wie Galgos, Bracken oder Deutsch Drahthaar erfordern mehr Einsatz. Besonders der Rückruf und das zuverlässige Hinlegen auf Kommando stehen im Fokus.

Die Frustrationstoleranz erhöhen

Jeder Hund sollte lernen, nicht jedem Impuls sofort nachzugeben. Für Vierbeiner mit ausgeprägtem Jagdtrieb gilt das besonders. Die Übungen können gut in den Alltag integriert werden. Hunde, die bei der Begrüßung nicht total aufdrehen, nicht einfach zu jedem anderen Hund laufen und auch beim Ballwurf warten, bis sie starten dürfen, lassen sich leichter kontrollieren. Anfänger wie Fortgeschrittene können den Gehorsam spielerisch, aber wirkungsvoll mit der Reizangel üben – dies ist auch bei Welpen schon sinnvoll.

Verhaltensmuster ändern

Hunde mit Jagdeifer können lernen, Wild anzuzeigen und sich Ihnen zuzuwenden. Das gibt Ihnen mehr Zeit, ein Kommando oder ein Alternativverhalten anzubieten und das „Durchstarten“ des Vierbeiners zu verhindern. Dazu lernt der Hund erst ohne Wild, sich Ihnen zuzuwenden. Rufen Sie „Vorsicht, Wild“ oder etwas in der Art und zeigen in eine bestimmte Richtung, sehen die meisten Hunde automatisch in die Richtung und wenden sich Ihnen dann „fragend“ zu. Dann gibt es ein Leckerlie! Ist die Verhaltenskette sicher verankert, zeigen Sie Ihrem angeleinten Hund echtes Wild wie einen Vogel oder ein Kaninchen und belohnen das gewünschte Verhalten. Achtung: Der Versuch einer Verhaltensänderung ist nicht in jedem Fall erfolgreich, kann sogar ins Gegenteil umschlagen – informieren Sie sich im Vorfeld, zum Beispiel bei einem Tiertrainer, welches Vorgehen in Ihrer Situation den größten Erfolg verspricht.

Bloß keine Langeweile

Ist Ihr Hund während des Spaziergangs mit Ihnen beschäftigt, achtet er weniger auf die Umwelt und lässt sich besser kontrollieren. Dummytraining oder das Verstecken von Leckerlies sind hier bewährte Mittel.

Ersatzbeschäftigungen anbieten

Jagdfreudige Hunde haben Talente, die sich auch anders nutzen lassen. Versuchen Sie doch mal Mantrailing (also lassen Sie den Hund nach sich suchen), Fährtensuche, Dummyarbeit oder die Arbeit mit einem Futterbeutel. Diese Beschäftigungen sind prima geeignet, um den Jagdtrieb zu kanalisieren.

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