Grundlagen

Hüteverhalten kontrollieren

Warum Hunde hüten und was dagegen hilft

Hütehunde sind sehr beliebt, insbesondere der Border Collie ist zum wahren Modehund avanciert. Kein Wunder: Wer einmal das perfekte Zusammenspiel zwischen Hund und Halter an Schafen, beim Dog Dancing oder im Agility-Parcours gesehen hat, ist fasziniert. Die attraktive Optik und der magische Blick dieser Hunderasse tun ein Übriges. Doch der Hütetrieb kann im Alltag zu einem Problem werden. Nicht ohne Grund werden insbesondere Tiere der sogenannten Koppelgebrauchshunde wie Border Collie, Bearded Collie, Australian Shepherd oder Kelpie häufig wegen Überforderung der Halter abgegeben.

Warum hüten manche Hunde?

Den Hütetrieb hat der Mensch über jahrhundertelange Zuchtauslese geschaffen. Es handelt sich um einen modifiziertenJagdtrieb, bei dem einige Sequenzen des Verhaltens verstärkt und andere unterdrückt worden sind. Wer einen hütenden Hund beobachtet, erkennt sofort das Einkreisen, das Verharren und Heranpirschen, das Fixieren über den Blick und das Zutreiben der „Beute“ auf den Jagdpartner. Hütehunde „jagen“ also eigentlich. Die Bewegungen der Schafe, aber auch andere sich bewegende Lebewesen oder Objekte setzen die genetisch verankerte Verhaltenskette in Gang.

Lässt sich der Hütetrieb bei Hunden unterdrücken?

Die klare Antwort lautet: nein! Die natürliche Hüteleidenschaft eines Hundes lässt sich keineswegs wegerziehen. Es ist möglich, die Anlagen nicht weiter zu fördern, aber gänzlich verschwinden sie nie. Deshalb ist es wichtig, richtig mit dem Hütetrieb des Vierbeiners umzugehen. Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Hund beginnt, andere Artgenossen, Kinder, Fußgänger, Jogger, Radfahrer oder gar Autos zu hüten und sich und andere damit in Gefahr bringt.

Wo liegt die Herausforderung beim Hütetrieb?

Hütehunde wie der Australian Shepherd bringen eine Fülle besonderer Eigenschaften mit. Um allein eine Herde oder ein stures Muttertier mit Nachwuchs zu bewältigen, müssen diese Hunde hochintelligent und durchsetzungsstark sein. Um ein neues Kommando zu lernen, benötigen sie oft nur wenige Wiederholungen. Leider gilt das auch für unerwünschte Eigenschaften. Die Tiere stammen aus einer reizarmen Umgebung und reagieren auf schnelle Bewegungen extrem stark. Auch Lärm macht ihnen oft zu schaffen.

Auslastung vs. Arbeit – die Balance bei Hütehunden finden

Häufig heißt es, Hütehunde müssten ständig beschäftigt werden. Das ist nicht richtig. Beim Schäfer arbeiten diese Hunde ausschließlich, wenn sie gebraucht werden. Ist das allerdings der Fall, kennen sie kein Ende. Zuchtbedingt hält die natürliche Erschöpfung Hütehunde nicht auf, der Hund muss funktionieren. Deshalb müssen Sie erkennen, wann Ihr Vierbeiner genug hat und überdreht. Die Tiere müssen Ruhe und Entspannung von Anfang an lernen.

Wie wird ein Hütehund beschäftigt?

Kontrollierte Arbeit, welche die natürlichen Anlagen des Hundes nutzt, ist empfehlenswert. Wenn Hütehunde ein oder zweimal wöchentlich etwa 30 Minuten hüten dürfen, sind sie damit meist vollkommen ausgelastet. Ständige Aktion bringt sie nur dazu, immer mehr zu fordern. Ihnen fehlen die wichtigen Erholungsphasen. Gezielte und kurze Einheiten eines Hundesports sind eine gute Alternative zum Hütetraining. Hütehunde sind in vielen Hundesportarten zu wahren Höchstleistungen fähig – wie zum Beispiel Agility, Obedience, Dog Dance oder Flyball. Danach stehen aber Ruhe und Entspannung wieder auf dem Plan.
Wichtig: Ein einfaches Apportieren eines geworfenen Balls reicht häufig nicht aus, um die Tiere auszulasten. Besser diese Übung mit Kommandos verbinden, sodass der Hund zum Beispiel erst loslaufen darf, wenn der Ball gelandet ist.

Den Hütetrieb bei Hunden kontrollieren

Erziehung und das Unterbrechen von unerwünschten Hüteversuchen ist das A und O. Versucht der Hund andere Vierbeiner oder Menschen zu hüten, nehmen Sie ihn konsequent aus der Situation und lassen ihn zur Ruhe kommen. Dann darf er wieder mitspielen oder sich frei bewegen. Die Hunde verstehen schnell, dass unerwünschtes Verhalten eine Zwangspause bedeutet. Außerdem ist es wichtig, die Hunde nicht vollkommen zu überdrehen. Hütehunde werden schnell zum „Junkie“ – das sollten Sie unbedingt vermeiden.