Wie Hunde lernen

15. Juni 2011, geschrieben von Dr. Lioba Schätz

So ein Hundekind muss ganz schön viel lernen. Seinen Namen, zum Beispiel. Wo er sich lösen darf und wo nicht. Dass er keine Schuhe kaputt beißen darf und was die Signalwörter "Sitz" und "Platz" bedeuten. Und dass er auch kommen soll, wenn man ihn ruft. Wenn Sie Ihrem Hund etwas beibringen wollen, so ist es sinnvoll, sich damit vertraut zu machen, wie Hunde lernen. Schauen wir uns daher heute einmal das Lernverhalten von Hunden genauer an.

Hunde lernen auf verschiedene Weisen. Die häufigste Art zu lernen - und diese können Sie sich hervorragend auch beim Training zunutze machen - ist das Prinzip "Lernen am Erfolg". Das bedeutet, der Hund stellt dabei eine Verknüpfung her - man nennt dies in der Fachsprache Assoziationslernen. Er lernt: Wenn ich komme, wenn Frauchen ruft, bekomme ich ein Leckerli (Verknüpfung einer Handlung mit einer angenehmen Folge). Wenn ich den Ball her gebe und nicht damit weg laufe, wirft ihn Herrchen gleich wieder für mich, und das ist lustig. Ein Hund lernt immer dann am schnellsten und am leichtesten, wenn eine gezeigte Handlung zum Erfolg führt. Folgt auf sein momentanes Tun ein angenehmer Zustand, zum Beispiel, gibt es, wenn er kommt, wenn man ihn ruft, ein Leckerchen , so wird er künftig bereitwilliger kommen - er hat ja etwas davon! Natürlich muss man gerade beim Lernen die Übungen viele Male wiederholen, bevor sie sich verfestigen. Arbeiten Sie immer mit positiver Verstärkung statt mit Strafe! Das bedeutet: Lob, Spiel, Leckerli oder Streicheleinheit für das gewünschte Verhalten. Dies lässt den Hund mit Freude dabei sein, denn Hunde sind nun mal Opportunisten - sie tun gerne das, bei dem etwas für sie "herausspringt". Wichtig für Sie ist beim Training: Belohnen Sie gewünschtes Verhalten immer unmittelbar. Sie haben zwei Sekunden Zeit, um ihren Hund zu loben oder ein Leckerli zu geben - so lange kann er Lob oder Leckerchen mit dem gerade gezeigten Verhalten verknüpfen. Bei unerwünschten Handlungen sollten Sie den Hund nicht bestrafen, sondern einfach komplett ignorieren. So merkt er: Dieses Verhalten führt nicht zum Ziel und wird es früher oder später einstellen - wegen "Erfolglosigkeit" bringt es ihm nichts.
Übrigens lernen Hunde nicht nur durch das oben beschriebene Assoziationslernen, sondern auch durch Nachahmung. Sie gucken sich vieles ab - von uns Menschen, aber auch von Artgenossen. Dies ist gerade auch von Haltern von zwei Hunden wichtig zu wissen: Der Welpe schaut sich hier oft nicht nur das ab, was er soll, sondern lernt gerne auch einigen Blödsinn vom älteren Artgenossen.
Um optimales Lernen zu gewährleisten, sollte die Atmosphäre immer stressfrei sein, der Hund motiviert und - im wahrsten Sinne des Wortes - gelöst und Sie in der richtigen Trainingsstimmung. Gestalten Sie Lernsequenzen immer kurz, und beenden Sie eine Trainingseinheit immer mit einem Erfolgserlebnis - dann macht's Ihrem vierbeinigen Schüler auch beim nächsten Mal wieder tierisch viel Spaß!