Wie aus dem Wolf der Hund wurde

30. November 2011, geschrieben von Dr. Lioba Schätz

Dass unsere Hunde alle vom Wolf abstammen, egal, ob Mops oder Schäferhund, das weiß jedes Kind. Aber wie kam es eigentlich - wie entwickelte sich aus dem Wolf der Hund? Werfen wir einen Blick zurück in die Vergangenheit.
Wann genau in der Geschichte der Menschheit zum ersten Mal der Hund den Menschen mit seiner Gegenwart erfreute, ist nicht genau bekannt. Die Trennung der Linie Wolf und Hund könnte bereits vor 125.000 Jahren erfolgt sein. Vor ungefähr 20.000 Jahren muss es jedenfalls bereits Hunde gegeben haben: Davon zeugt der Fund eines Hundeskeletts in einem Doppelgrab bei Oberkassel, das ungefähr 20.000 Jahre alt ist.
Forscher gehen davon aus, dass vor vielen Jahrtausenden besonders furchtlose Wölfe die Nähe der menschlichen Lager gesucht haben. Der Grund: Sie profitierten dort von Abfällen der Jagdbeute der Menschen, kamen also auf einfache Weise an etwas zu Fressen. Auch die Zweibeiner sahen bald die Vorteile der Wölfe: Sie verwerteten die Abfälle, bewachten das Lager, eigneten sich vielleicht sogar für die Jagd. Früher ging man davon aus, dass die Menschen besonders zahme Wölfe miteinander verpaarten und sich aus diesen Verpaarungen der Hund entwickelte. Es gibt Experimente mit Silberfüchsen, bei denen die zahmsten Füchse miteinander verpaart wurden und die sich dadurch Schritt für Schritt Richtung Haustier entwickelten. So sollte es auch mit dem Wolf gewesen sein. Inzwischen gehen aber immer mehr Forscher davon aus, dass sich die zahmsten Wölfe selbst miteinander verpaart haben und sich so die ersten Hunde entwickelten. Außerdem sollen die Menschen immer wieder verwaiste Wolfswelpen aufgezogen haben, die bei ihnen blieben und sich vermehrten. Die Menschen selektierten dabei bei der Zucht auch auf charakterliche Merkmale, die ihnen gefielen. Wölfe, die nicht ins Schema passten, wurden verjagt und getötet. So wurde aus dem Wildtier Wolf das Haustier Hund. Im Fachjargon nennt man diesen Vorgang Domestizierung. Und wir Menschen profitieren noch heute davon, uns einen so treuen Freund an unserer Seite geschaffen zu haben.