Werden Sie ruhig auch mal körperlich!

02. Januar 2013, geschrieben von Holger Schüler

Für diesen Blog habe ich mir ein etwas heikles Thema vorgenommen, dass oft missverstanden wird. Ich bin grundsätzlich ein Verfechter davon, über das Verstärken eines erwünschten Verhaltens zu erziehen. Also, ganz einfach, Loben und Belohnen, wenn der Hund etwas richtig macht. Nur so kann er lernen.
Aber ein positiver Erziehungsstil bedeutet nicht, dass Sie Respektlosigkeiten einfach so ignorieren sollten. Ein Beispiel: Wenn Ihr Hund Ihnen ständig vor den Füssen herumläuft und überhaupt nicht auf Sie achtet, sollten Sie ihm ganz einfach zeigen, dass Sie da entlang laufen, wo Sie wollen - Basta! Das heisst, Sie laufen einfach mal "in den Hund". Dazu muss man nicht treten oder dem Hund weh tun - aber wenn der Hund sich einen Schubser einhandelt, merkt er, worum es geht. Aus dem Weg, wenn der Chef da lang will - das lernen Hunde ganz schnell. Der Hund fasst das nicht als Strafe auf, sondern als Information: Ach so, der ist ja auch noch da! Wenn Ihr Hund Sie ernst nimmt, ist er gleich viel aufmerksamer.
Wenn Ihr Hund Ihre persönlichen Grenzen missachtet, Sie anspringt, in die Hände zwickt oder in die Beine rennt, dann setzen Sie ihm also ruhig körperlich etwas entgegen. Schauen Sie sich an, wie Hunde miteinander umgehen! Wie z.B. ein souveräner Althund einem Welpen zeigt, wann es ihm zu viel wird. Davon kann man viel lernen. Wenn man sieht, wie respektvoll die Rabauken in der Welpengruppe meinem Rüden Falk begegnen, erkennt man schnell, dass man mit einem souveränen Auftreten und einem kurzen, aber deutlichen "So nicht!" eine Menge erreicht. Vor allem nehmen die Jungspunde ihm das nie übel, im Gegenteil. Sie folgen ihm voller Vertrauen.
Je selbstbewusster Sie auftreten, um so weniger müssen Sie tun. Ein kurzer Schubser im richtigen Moment, eine klare, bestimmte Körpersprache und viel Ruhe im Umgang ersparen eine Menge verbaler Zurechtweisungen und Korrekturen, die der Welpe sowieso nicht versteht. Wichtig ist - wie immer - Konsequenz. Wenn Sie den Hund dauernd hochspringen lassen und es dann plötzlich nicht mehr wollen (wegen der guten Hose), wenn Sie sich erst beissen lassen und dann auf einmal schimpfen, wenn Sie den Hund immer ziehen lassen und plötzlich sauer sind, weil Ihnen der Arm weh tut, dann sind Sie selbst schuld, wenn der Hund Ihre Wünsche ignoriert.
Mit einem Hund, der Ihre Grenzen kennt und respektiert, können Sie sehr viel entspannter arbeiten und zusammenleben - und haben eine Menge Gelegenheit, ihn zu loben.