Süss zu sein erlaubt nicht alles!

30. Oktober 2013, geschrieben von Holger Schüler

Ach, wie witzig ist das doch, wenn der Welpe mal einen Schuh klaut. Macht ja nichts, es war sowieso nur ein alter Schuh.
Goldig, wie er alles vom Boden aufsammelt, wie ein kleiner Staubsauger.
Niedlich, wenn so ein Knäuel begeistert an einem hochspringt. Das Nachbarskind freut sich auch immer total!
Und die kleinen Zähnchen, tut ja gar nicht weh wenn der Kleine damit an mir rumkaut.

Sie wissen schon, wo ich hin will. Ein erwachsener Hund, der alles kaputt beißt, was irgendwo herumliegt, ist gar nicht süß. Sachen vom Boden zu fressen ist lebensgefährlich für einen Hund. Ein erwachsener Hund, der ein Kind anspringt, ist ein Problem, und irgendwann ist es richtig unangenehm, wenn der Hund seine Zähne einsetzt – und sei es auch noch so spielerisch.

Das schwierigste an der Welpenerziehung ist die Tatsache, dass der Kleine einfach so süß ist. Mit einem Welpen kann man doch böse sein und schimpfen!

Das Gute ist: Das müssen Sie ja auch nicht. Böse werden nützt ohnehin nichts. Es genügt schon, wenn Sie einfach darauf achten, den Schabernack nicht auch noch zu verstärken.

Schuhe gehören weggeräumt. Wenn der Welpe doch mal einen herumschleppt, dann nehmen Sie ihn einfach weg – aber bitte nicht süß finden und dem Welpen den Schuh lassen (ist ja eh schon kaputt...).
Beobachten Sie Ihren Hund beim Spaziergang und passen Sie auf, dass er nichts aufnimmt. Wenn er mal was gefunden hat, dann nehmen Sie es ihm ab und bieten ein Leckerchen zum Tausch an. Gespielt wird nicht mit irgendwelchen Fundstücken (Stöckchen sind gefährlich, Hunde können sich böse Splitter im Maul einfangen!), sondern nur mit einem geeigneten Spielzeug.
Anspringen und spielerisch beißen und zwicken ist von Anfang an nicht gefragt. Ignorieren Sie den Hund einfach und schieben Sie ihn sanft zur Seite. Das reicht völlig aus.

Und so weiter. Überlegen Sie sich einfach, was für einen erwachsenen Hund Sie sich wünschen und arbeiten Sie auf dieses Ziel hin. Ganz behutsam und unaufgeregt. Ihr Welpe ist begierig darauf, die Regeln herauszufinden, die im Sozialverband gelten – Sie müssen Sie nur klar und deutlich formulieren. Und nicht heute etwas toll finden, wofür der Hund morgen getadelt wird.

Ihr Welpe kann genug Lob und Aufmerksamkeit für die „richtigen“ Sachen einheimsen.  Wenn Sie unerwünschtes Verhalten erst dann unterbinden, wenn der Hund kein Baby mehr ist und sich die blöde Angewohnheit längst gefestigt hat, machen Sie es sich und dem Hund einfach nur unnötig schwer.

Also: Blenden Sie den Süß-Faktor aus! Und wenn Sie mal wieder den Unsinn, den Ihr Hund macht, eigentlich total niedlich finden, dann stellen Sie sich vor, dasselbe hätte gerade ein 50 Kilo-Rottweiler gemacht (bitte nicht falsch verstehen, ich mag Rottweiler sehr!). Und denken Sie immer daran: jedes Versäumnis der Anfangszeit wird Sie noch jahrelang begleiten...