Kastration ja oder nein?

21. September 2011, geschrieben von Dr. Lioba Schätz

Die meisten Hundehalter setzen sich, spätestens seit der Hund in der Pubertät ist, mit diesem Thema auseinander: Kastration, ja oder nein? Wer mit seinem Hund nicht züchten möchte, für den stellt sich die Frage, ob der Eingriff bei seinem Tier gemacht werden soll oder nicht.
Grundsätzlich gilt: Bei der Hündin kann die Kastration circa ab dem sechsten Lebensmonat erfolgen. Dabei werden die Eierstöcke komplett und die Gebärmutter entweder ganz oder teilweise entfernt. Es gibt Studien, die belegen, dass Hündinnen, die bis zur zweiten Läufigkeit kastriert worden sind, weit seltener an Mammatumoren erkranken. Bei einer Kastration vor der ersten Läufigkeit beträgt das Risiko 0,5 Prozent, bei einer Kastration nach der ersten Läufigkeit  8 Prozent - bei später oder nicht kastrierten Hündinnen erkrankt jede vierte Hündin an einem Tumor an der Milchleiste. Kastrierte Hündinnen werden nicht mehr läufig, können also auch nicht mehr trächtig oder, bei nicht erfolgter Bedeckung, scheinträchtig werden. Außerdem laufen die Hündinnen nicht mehr in Gefahr, an einer Gebärmuttervereiterung zu erkranken. Dennoch sollte der Eingriff gut überlegt sein. Denn für die OP ist natürlich eine Vollnarkose notwendig. Bei kastrierte Hündinnen, besonders die großer Rassen, besteht mehr Risiko, dass diese nach der Kastration später an Inkontinenz leiden. Darunter versteht man, dass die Hündin vor allem während des Schlafes Urin verliert. Bei Langhaarhunden können Veränderungen des Fells, das so genannte "Babyfell", eine Folge sein. Ob sich Verhaltensänderungen ergeben, darüber wird unter Experten kontrovers diskutiert; erwiesen ist es nicht. Wichtig ist jedoch, nach der Kastration besonders auf das Gewicht des Hundes zu achten. Kastrierte Hündinnen nehmen leichter zu. Deshalb sollten Sie das Futter stets abwiegen und eventuell auf ein Futter für kastrierte Hündinnen umsteigen. Ausreichend Bewegung ist das A und O, um rank und schlank zu bleiben.
Die Gefahr der Gewichtszunahme gilt auch für Rüden. Auch hier ist es wichtig, dass nach der OP auf die Fütterung und auf ausreichend Bewegung geachtet wird. Bei der Kastration des Rüden werden die Hoden entfernt. Der Grund, der am öftesten einer Kastration zugrunde liegt, ist, unerwünschten geschlechtsgebundenen Verhaltensweisen entgegen zu wirken. Daneben wird der Rüde durch den Eingriff auch unfruchtbar gemacht. Oft werden Rüden kastriert, weil sie Probleme mit anderen Rüden bekommen und aggressiv reagieren und streunen. Die Kastration kann erfolgen, wenn die Probleme auftreten, meist, wenn das Sexualverhalten des Rüden besonders ausgeprägt ist. Durch die Kastration  wird allerdings meist nur das Verhalten verändert, dass der Rüde noch nicht lange ausgeübt hat. Ein notorischer Streuner wird eventuell trotzdem seine Freiheit suchen. Daher ist es wichtig,  vor der Kastration möglichst eine Experten fragen, ob die erwünschte Wirkung durch die Kastration zu erzielen ist.