Hilfe - Pubertät!

02. November 2011, geschrieben von Dr. Lioba Schätz

Hat Ihr bis dahin so wohl erzogener Junghund plötzlich aufgehört, zu kommen, wenn Sie ihn rufen? Stellt er jedes Kommando, das er früher freudig ausgeführt hat, nun in Frage? Dann heißt es für Sie und Ihren Hund: Willkommen in der Pubertät. Die Flegelphase hat begonnen.
Start der Pubertät ist mit der Geschlechtsreife von Rüde und Hündin - und zwar zwischen sechs und zwölf Monaten, je nach Rasse. Bei Hündinnen startet sie etwas eher als bei Rüden, größere Rassen kommen später in die Pubertät. Bei der Hündin ist der Beginn der Geschlechtsreife mit der ersten Läufigkeit. Meistens merken die Hundeeltern dies erst, wenn ihre Hundedame Blut verliert. Beim Rüden ist die Geschlechtsreife offensichtlicher: Er hebt beim Pinkeln plötzlich den Lauf und beginnt, sich für das andere Geschlecht zu interessieren. Weiteres Merkmal der Pubertät: Die Hunde können plötzlich unverträglich gegenüber gleichgeschlechtlichen Artgenossen werden. Dies liegt an den Hormonen. Hündinnen können während der Läufigkeit zickig gegenüber anderen Hündinnen werden. Rüden reagieren nicht selten aggressiv auf andere Rüden. Dies liegt am männlichen Geschlechtshormon Testosteron, das das Verhalten gegenüber anderen Rüden verändert und zu Konflikten führen kann.
Aber auch der Mensch ist vor Verhaltensänderungen seines Vierbeiners in der Pubertät nicht gefeit. Viele Hunde werden jetzt unabhängiger - entfernen sich beim Spaziergang weiter vom Menschen und stellen Kommandos in Frage. Bei Training reagieren viele Hunde in der Pubertät plötzlich unkonzentriert.
Am wichtigsten, um gut durch die Rüpelphase zu kommen, ist nun liebevolle Konsequenz - und manchmal auch eine gute Portion Humor. Wichtig ist es nun, weiterzutrainieren und das bislang Gelernte immer wieder zu wiederholen. Mit Strenge und Härte erreichen Sie nun wenig - allerdings müssen Sie am Ball bleiben, um Ihren Hund gut durch die Flegelphase zu bringen. Trainieren Sie weiterhin konsequent das Abrufen und die Grundkommandos wie Sitz, Platz und Fuß. Gehen Sie weiter in die Hundeschule, um Ihrem Hund möglichst viele positive Hundebegegnungen zu ermöglichen und Aggressionen gegenüber Artgenossen zu verhindern. Und scheuen Sie sich nicht, einen guten Trainer zu konsultieren, wenn Sie am Ende Ihres Lateins sind. Der Fachmann weiß, was mit pubertierenden Junghunden zu tun ist. Und vergessen Sie zu guter Letzt nicht: Die Pubertät ist nur eine Phase. In wenigen Wochen ist sie vorbei!