Der testet mich!

27. Februar 2013, geschrieben von Holger Schüler

"Jetzt mache ich schon seit einer Woche Korbtraining und der Hund steht immer noch manchmal unaufgefordert einfach auf - der testet mich doch! Der akzeptiert mich nicht als Chef!"

Solche empörten Aussagen höre ich öfter. Wie sehr Menschen doch dazu neigen, aus allem eine Grundsatzdikussion zu machen und viel zu viel hineinzuinterpretieren.

Ein Hund, der einfach ohne Erlaubnis aufsteht, wollte halt gerade aufstehen. Dann schicken Sie ihn zurück und erinnern ihn so daran, dass Sie doch eigentlich ein Kommando gegeben haben. Mehr ist gar nicht nötig! Der Hund handelt nicht aus irgendeiner Überlegung heraus, und schon gar nicht mit dem Plan, Ihnen ihre Macht zu entreissen.
 
Je konsequenter Sie sind, umso seltener müssen Sie den Hund an Ihre Autorität erinnern. Aber trotzdem wird er noch hin und wieder einfach mal tun, was er gerade tun will. Nicht, weil er die Weltherrschaft an sich reissen möchte, sondern weil er einfach ein Lebewesen ist. Manchmal wird er einfach vergessen, was er gelernt hat, vor allem, wenn das Gelernte noch relativ frisch ist (eine Woche ist zum Beispiel gar nichts!). Manchmal werden seine Triebe und Impulse mit ihm durchgehen. Und ja - manchmal wird er auch einfach "keinen Bock" haben. Ein Junghund, der sich beim besten Willen nicht mehr konzentrieren kann - ein jagdhund, dem ein Kaninchen vor der Nase aufspringt - ein eigenständiger, selbstbewusster (so was wird gerne "stur" genannt) Hund, der einfach nicht einsieht, warum er den Ball zum fünften Mal zurückbringen soll.... Es sind eben Persönlichkeiten, und keine Roboter mit Fell.

Hunderprozentigen Gehorsam gibt es nicht. Nicht, ohne den Gehorsam "mit Starkzwang abzusichern", wie es so euphemistisch heisst. Im Klartext: wer erreichen will, dass der Hund niemals die Autorität des Hundeführers in Frage stellt, muss mit harten Strafen arbeiten. Der Preis dafür ist ein Hund, der voller Angst ist und es nicht mehr wagt, seine eigene Persönlichkeit auszuleben. Und Hunde, die so erzogen werden, sind keine alltagstauglichen Begleiter. Denn um das zu sein, braucht der Hund Vertrauen zum Menschen und ein offenes, freundliches Wesen.

Also: Seien Sie konsequent, setzen Sie sich durch, seien Sie ein guter Anführer - aber  bleiben Sie gelassen. Hundeerziehung bedeutet vor allem, eine gute, vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Das geht nicht, wenn Sie Ihrem Hund voller Misstrauen böse Absichten unterstellen. Und das beste Mittel gegen Verbissenheit ist eine Portion Humor.