An der Leine gehen

27. März 2013, geschrieben von Holger Schüler

Ein Welpe muss doch noch nicht korrekt an der Leine gehen können? Nein, aber er muss es schon lernen. Der Welpe lernt von der ersten Sekunde an. Er saugt in sich auf, wie das so läuft in der neuen Umgebung. Und er speichert diese Informationen ab und orientiert sich daran – den Rest seines Lebens.
Logischerweise ist es sehr viel schwieriger, falsch gelerntes wieder abzugewöhnen, als gleich von Anfang an das richtige zu vermitteln. Für die Leine heißt das: wenn der Hund erwachsen ist, soll er nicht an der Leine ziehen. Also sollte man dem Welpen nicht beibringen, dass die Leine zum Ziehen da ist.
Wenn Sie die ersten kurzen Spaziergänge mit dem Welpen unternehmen, ist die Versuchung groß, dem Kleinen einfach nur hinterher zu gehen und dabei zu zuschauen, wie er hier schnüffelt und da schnüffelt, bis er sein Bächlein macht und schließlich irgendwo sitzen bleibt, um nach Hause getragen zu werden. Allzu lange sollte man diese Technik aber nicht beibehalten, sonst haben Sie bald einen erwachsenen Hund, der Sie hierhin und dorthin zieht und nicht die geringste Ahnung hat, dass Sie eigentlich sagen wollen, wo es langgeht.
Wenn Sie mit Ihrem Welpen raus gehen, dann gehen Sie zielstrebig dahin, wohin Sie wollen (vermutlich eine Stelle, wo der Hund sich lösen kann). Erwarten Sie, dass der Hund Ihnen folgt – drücken Sie das durch eine aufrechte Körperhaltung und eine klare Richtung aus. Wenn Sie stehen bleiben und den Hund anschauen, kann der Hund ja nicht ahnen, wo Sie hinwollen. Wenn er nicht mitkommt, fordern Sie ihn freundlich mit einem kleinen Zupfen zum Mitkommen auf – die Leine ist nie zum Ziehen da, weder für den Hund noch für den Menschen. Mag er gar nicht, gehen Sie in die Hocke und rufen Sie den Hund zu sich. Große Freude, wenn er kommt - und weiter geht es ein paar zielstrebige Schritte. Wenn der Kleine vorausstürmen möchte, reagieren Sie genauso – ein aufforderndes Zupfen, ein freundliches Zurückrufen, und weiter geht es.
Am Ziel angekommen (anfangs nach wenigen Metern) darf der Kleine dann nach Herzenslust an der langen Leine herumschnüffeln und sein Geschäft machen – bis Sie wieder signalisieren, dass es weitergeht und die nächsten paar Meter zielstrebig zurücklegen.
Das Wichtigste: Sie lassen sich nicht hinterher ziehen. Der Welpe hätte dann ja keine Chance, zu verstehen, dass die Leine seinen Bewegungsspielraum definiert. Er macht die Erfahrung, dass die Leine genau dazu da ist: so fest daran zu ziehen wie eben nötig. Und das ist eine Falschverknüpfung, die Ihnen und dem Hund viel Ärger macht.