Allein zu Haus

13. November 2013, geschrieben von Holger Schüler

„Mein Hund bellt stundenlang, wenn ich ihn alleinlasse! Was soll ich tun?“ Gegenfrage: Warum lassen Sie den Hund stundenlang alleine, wenn er das Alleinebleiben noch gar nicht gelernt hat?
Nicht nur, dass es für den Hund schlimm ist – jedes Mal, wenn er in Angst und Panik versetzt wird, wird er das Alleinebleiben als noch schlimmer empfinden und beim nächsten Mal noch mehr Angst haben. Die Hau Ruck Methode funktioniert hier einfach nicht. Das Ergebnis kann ein Hund sein, der es sein Leben lang nicht mehr lernt, entspannt alleine zu bleiben.
Das Alleinebleiben darf man auch nicht isoliert betrachten. Ob ein Hund damit klar kommt oder nicht, hängt unmittelbar mit der Erziehung und dem Alltagsleben zusammen.Und nicht damit, ob er ein T-Shirt von Herrchen im Körbchen hat oder das Radio läuft. Schauen Sie sich also erst mal Ihren Alltag zu Hause an.

Wenn Ihr Hund Ihnen im Haus auf Schritt und Tritt hinterherläuft, können Sie sicher sein, dass er nicht gern alleine bleiben wird. Ein solcher Hund hat ja schon ein Problem damit, wenn er nur in einem anderen Raum ist. Er muss also dringend erst mal lernen, in seinem Korb zu bleiben und Tabuzonen zu respektieren. Auch ewig aufgedrehte Hunde kommen logischerweise alleine nur schwer zur Ruhe – das sind dann die Hunde, die die Wohnung zerlegen, wenn sie unbeaufsichtigt sind. Solche Hunde müssen lernen, Ruhe zu halten. Und schließlich ist es für Hunde, die ganz allgemein keine Regeln des Zusammenlebens kennen, sehr schwierig, zurückgelassen zu werden.
Warum ist das so?
Idealerweise sollte die soziale Beziehung zwischen Mensch und Hund der Beziehung zwischen den Elterntieren und ihrem Nachwuchs in einem wilden Rudel gleichen. Dort sind die erwachsenen Tiere verantwortlich für Sicherheit und Nahrungsbeschaffung. Es kommt vor, dass sie die Welpen im Lager zurücklassen. Und dann ist klar, dass sich die Jungtiere gefälligst ruhig zu verhalten haben. Die Kleinen vertrauen darauf, dass die erwachsenen Tiere wiederkommen, und verschlafen die Zeit einfach.

Hunde, die nicht in einer stabilen sozialen Beziehung leben, haben auch dieses Vertrauen nicht. Einem Hund häusliche Regeln und eine konsequente Erziehung aufzuerlegen, ist also keine überflüssige Schikane, sondern ein Weg, ihm zu zeigen: Der Mensch trägt die Verantwortung! Und derjenige, der die Verantwortung souverän trägt und für die ganze Familie sorgt, kommt auch zuverlässig immer wieder zurück. Das weiß der Hund instinktiv.

Genau dieses Urvertrauen sollten Sie bewahren. Setzen Sie den Hund also nicht urplötzlich einer schrecklichen Erfahrung aus, sondern bereiten Sie ihn konsequent und sorgfältig darauf vor. Am besten fangen Sie mit einem Korbtraining an.