Alle Fünfe grade sein lassen

05. September 2013, geschrieben von Anja Neuhausen

Oh, hoffentlich werde ich jetzt nicht gesteinigt, wenn ich Euch erzähle, dass ich mit meinen Hunden auch manchmal ganz antiautoritär bin. Ja, ich weiß, Hunde brauchen eine konsequente Erziehung. Bekommen meine ja auch. Am Tisch gibt's immer nur den letzten Bissen (sehr konsequent!), durch die Tür gehe ich als Erste (schon allein, um zu sehen, ob Miezen am Hof sind!), und an der Straße machen alle immer und zu jeder Zeit Sitz, bevor wir rübergehen (klappt nach viel Üben auch!).
Aber manchmal habe ich auch echt Lust dazu, mal alle Fünfe gerade zu lassen. Das hat nichts mit Inkonsequenz zu tun. Eher mit liebevoller Nachsicht. Ein Beispiel: Meine beiden bekommen stets ihr Frühstück in den Napf, doch abends dürfen sie sich ihr Futter selbst erarbeiten. Kleine Tricks, Suchspiele und Intelligenzspielchen werden dann veranstaltet, was Biene und Sammy richtig auslastet und zufrieden und glücklich macht.
Dennoch gibt's auch tagsüber ein Leckerchen - und zwar einfach so, ohne dass die beiden große Kunststückchen aufführen müssen oder erst Sitz, Pfote oder Handstand machen müssen. Einfach so - aus Liebe.
Ich weiß auch, dass der Hundehalter bei seinem Vierbeiner stets die Richtung vorgeben sollte. Dennoch lasse ich manchmal die Hunde entscheiden, welchen Weg wir heute gehen. Biene und Sammy haben ihre genauen Vorstellungen, welche Richtung sie gerne einschlagen. Ab und an dürfen sie bestimmen. Den Weg, an dem es so herrlich nach Mäusen riecht? Na gut, dann gehen wir den halt heute mal! Die Strecke, die an einer schönen Badestelle vorbei führt? Heute genehmigt! Meine Hunde sind ganz offensichtlich stolz wie Oskar, wenn sie mal die Richtung vorgeben dürfen, und rennen begeistert vorneweg. Für mich ist entscheidend, dass sie auch mitgehen würden, wenn ich ihnen den Lieblingsweg nicht erlauben würde, sondern eine andere Strecke einschlagen würden. Und das tun sie - deshalb kann ich es mir ab und an erlauben, alle Fünfe grade sein zu lassen!