Ach, lass ihn doch!

10. April 2013, geschrieben von Holger Schüler

Ich erlebe es immer wieder: ich stelle für meine Kunden einen Trainingsplan auf und ernte ungläubiges Entsetzen. Das Futter nicht zur freien Verfügung herumstehen lassen? Dem Hund einen festen Platz zuweisen? Darauf bestehen, dass Sitz Sitz heisst und nicht etwa Platz? Und zwar sofort? Wie kleinlich und gemein – der arme Hund!

Naja, ist ja klar, warum sollte der Hund nicht mitten im Weg rumlungern … wenn er doch so gerne da liegt. Geht man halt aussenrum. Ihren Kindern würden Sie allerdings was erzählen! Es würde Ihnen wohl auch kaum einfallen, für die ganze Familie den lieben langen Tag ein Buffett bereitzustellen. Und wenn Sie möchten, dass ihr Sohn den Müll runterträgt, finden Sie ein „jaja gleich“ vermutlich unverschämt. Aber der Hund, ja der Hund ist ja arm dran, wenn er sich anständig benehmen soll.

Aber gut, Sie haben ein weiches Herz und wollen Ihren Hund nicht so zwiebeln. Aber wenn Sie nicht mal Kleinigkeiten von Ihrem Hund fordern wollen, wie können Sie dann wirklich große, wichtige Dinge verlangen?

Stundenlang alleine zu bleiben, das ist eine Riesenleistung für den Hund. Zurückzukommen, wenn der Hase vor seiner Nase aufspringt – das ist viel verlangt. Nicht zu bellen, obwohl jemand an der Tür ist – nicht in die Wohnung zu pinkeln, obwohl der Teppich so verlockend ist – nicht an der Leine zu ziehen, wenn er doch zu seinem Kumpel will – all das fordert dem Hund eine Menge ab. Das bekommt man nicht, ohne sich erst mal die Basis aufzubauen.

Die „Lass ihn doch“ Einstellung vieler Hundehalter, wenn es um die scheinbaren Kleinigkeiten geht, ist ungefähr so, als würde man ein Kind 12 Jahre lang immer schön die Schule schwänzen lassen und dann ein Einser-Abitur erwarten. Von nichts kommt eben nichts – das gilt auch für die Hundeerziehung.